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Celsius-Insolvenz und Steuern in Deutschland: Erträge, Ausschüttungen und Verluste

Veröffentlicht am 22. März 2026 ·Aktualisiert am 1. September 2026 · CoinTaxReporting · 9 Min. Lesezeit

Bei Celsius sind frühere Lending-Erträge, die ursprünglichen Kryptowerte, die Insolvenzforderung und spätere Ausschüttungen steuerlich getrennt zu prüfen. Ein Verlust ist weder automatisch die Differenz zum alten App-Bestand noch erst pauschal nach dem letzten Verfahrenstag abziehbar. Entscheidend sind die rechtliche Einordnung des Celsius-Vertrags, die bisherige Steuerbehandlung, die Bemessungsgrundlage der Forderung und sämtliche Rückflüsse in Bitcoin, Ether, Geld, Ionic-Digital-Anteilen oder späteren Erlösen.

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Celsius Earn-Erträge, Insolvenzforderungen, BTC-, ETH-, Bar- und Ionic-Digital-Ausschüttungen sowie mögliche Verluste in Deutschland einordnen.

Kurzantwort: Kein automatischer Celsius-Insolvenzverlust

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Das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 behandelt gewöhnliches Lending im Privatvermögen: Die Vergütung für die zeitweise Nutzungsüberlassung ist grundsätzlich nach § 22 Nummer § 3 EStG steuerbar und beim Zufluss mit dem Marktkurs anzusetzen. Das Schreiben löst aber nicht die besonderen Rechtsfragen einer ausländischen Plattforminsolvenz mit mehreren Forderungsklassen und Sachleistungen.

Für Celsius muss deshalb zuerst geklärt werden, welches Wirtschaftsgut der Nutzer nach Einzahlung und nach Bestätigung des Insolvenzplans hielt. Je nach Vertragsinhalt und bisher vertretener Behandlung kann es um fortbestehende Kryptowerte, eine Sachleistungsforderung, eine sonstige Kapitalforderung oder ein anderes Forderungsrecht gehen. Davon hängen Realisationszeitpunkt, Einkunftsart, Verlustverrechnung und Anschaffungskosten der Ausschüttungen ab.

Wichtig: Der in US-Dollar festgesetzte Insolvenzanspruch, der frühere App-Bestand und die deutsche steuerliche Bemessungsgrundlage sind drei verschiedene Größen. Eine Recovery-Quote allein berechnet keinen deutschen Steuerverlust.

Celsius-Verfahren: Ausschüttungen sind nicht einfach beendet

Celsius und verbundene Gesellschaften beantragten am 13. Juli 2022 in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11. Das Insolvenzgericht bestätigte den geänderten Plan im November 2023; der Plan trat am 31. Januar 2024 in Kraft. Die Celsius-App wurde am 29. Februar 2024 abgeschaltet.

Erste Planausschüttungen bestanden je nach Forderungsklasse aus Bitcoin, Ether, Geld und Anteilen am reorganisierten Mining-Unternehmen Ionic Digital. Ende 2024 begann eine zweite Ausschüttungsrunde, die nach den offiziellen Mitteilungen in Bitcoin oder Geld erfolgte. Für berechtigte Gläubiger können außerdem Erlöse aus illiquiden Vermögenswerten oder Rechtsstreitigkeiten periodisch hinzukommen.

Die offizielle Verteilungsseite erklärt, dass die Insolvenzforderung in US-Dollar anhand der am Insolvenzantragstag im Celsius-Konto ausgewiesenen Bestände berechnet wurde. Sie weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass Celsius keine steuerlichen oder buchhalterischen Unterlagen für Gläubiger erstellt und alte Transaktionsberichte nicht mehr bereitstellt. Wer keine eigenen Exporte gesichert hat, muss die Historie aus einzahlenden Börsen, Wallets, alten Steuererklärungen, 1099-Dokumenten und den Gerichtsunterlagen rekonstruieren.

Celsius Earn: Zufluss, 256-Euro-Freigrenze und Anschaffungskosten

Das BMF ordnet private Lending-Erträge regelmäßig § 22 Nummer § 3 EStG zu. Die erhaltenen Kryptowerte sind mit dem Marktkurs im Zeitpunkt des Zuflusses zu bewerten. Die gesetzliche Freigrenze gilt zusammen für alle Einkünfte aus Leistungen nach § 22 Nummer 3: Nur wenn sie im Kalenderjahr weniger als 256 Euro betragen, sind sie nicht einkommensteuerpflichtig. Bei Erreichen der Grenze ist nicht lediglich der übersteigende Teil steuerpflichtig.

Ein gutgeschriebener Reward ist nicht automatisch zu jedem angezeigten Zeitpunkt zugeflossen. Für den steuerlichen Zufluss ist zu prüfen, wann der Nutzer wirtschaftlich darüber verfügen konnte. Vor dem Auszahlungsstopp frei abziehbare Beträge sprechen für einen Zufluss. Nach der Sperre lediglich im Interface verbuchte Rewards können dagegen einer wesentlichen Verfügungssperre unterlegen haben. Datum, Account-Typ, Celsius-Bedingungen und tatsächliche Abziehbarkeit gehören in die Akte.

Wurde ein Reward zutreffend als Einnahme versteuert, schafft seine Bewertung grundsätzlich einen dokumentierten Wert für die weitere steuerliche Historie. Die spätere Insolvenz macht die frühere Einnahme aber nicht automatisch rückwirkend steuerfrei. Umgekehrt darf ein Betrag nicht doppelt in die Verlustbasis eingehen: einmal als eigener Einzahlungswert und zusätzlich als bereits versteuerter Reward, obwohl wirtschaftlich nur ein Anspruch entstanden ist.

Die im Einkommensteuer-Handbuch dargestellte Rechtsprechung zur späteren Rückzahlung von Einnahmen nach § 22 Nummer 3 hilft nur bei einer echten Rückzahlung der zuvor vereinnahmten Vergütung. Der Verlust des eingesetzten Kapitals oder die teilweise Nichterfüllung einer Insolvenzforderung ist nicht ohne Weiteres eine Rückzahlung von Earn-Einnahmen.

So wird die steuerliche Historie der Celsius-Forderung aufgebaut

Die Rekonstruktion beginnt für jedes Konto und jeden Kryptowert separat. Zu erfassen sind ursprünglicher Erwerb, Euro-Anschaffungskosten, Anschaffungsdatum, Einzahlung bei Celsius, alle bis zur Sperre zugeflossenen Rewards, Entnahmen, die angemeldete oder festgestellte Forderung und jede Ausschüttung.

GrößeSteuerliche FunktionNicht gleichsetzen mit
Euro-Anschaffungskosten der eingezahlten CoinsAusgangspunkt der bisherigen VermögenspositionUSD-Kurs am 13. Juli 2022
Versteuerte Lending-RewardsKönnen die Basis der erhaltenen Werte oder Forderung beeinflussenJeder nach der Sperre angezeigte Reward
Festgestellte InsolvenzforderungRecht auf planmäßige VerteilungDeutscher steuerlicher Buchwert
BTC und ETH aus dem PlanNeue oder zurückerhaltene Wirtschaftsgüter je nach EinordnungBloße Rückgabe identischer Coins
GeldzahlungTeil der Befriedigung oder GegenleistungAutomatisch laufender Zinsertrag
Ionic-Digital-AnteileGesonderte Beteiligung mit eigener FolgebesteuerungWertlos, nur weil kein liquider Börsenkurs vorliegt
Spätere ErlöseKönnen die endgültige Ausfallhöhe verändernIrrelevant nach der ersten Recovery

Besonders wichtig ist die frühere Behandlung der Einzahlung. Wenn die Übertragung an Celsius als bloße zeitweise Nutzungsüberlassung ohne Tausch behandelt wurde, muss die weitere Rechnung zu dieser Position passen. Wurde dagegen aufgrund des konkreten Vertrags ein neues Forderungsrecht als angeschafft angesehen, sind dessen Anschaffung, Wert und spätere Erfüllung zu untersuchen. Eine nachträgliche Methodenwahl nur wegen des günstigeren Insolvenzverlusts ist nicht belastbar.

BTC, ETH, Geld und Ionic-Digital-Anteile richtig erfassen

Für jede Ausschüttung sind Datum, Uhrzeit, Menge, Vermögensart, Empfängerplattform, Planwert und Euro-Marktwert zu dokumentieren. Der im US-Verfahren verwendete feste BTC-, ETH- oder Aktienwert erklärt die Recovery-Berechnung, ist aber nicht automatisch der deutsche Zufluss- oder Veräußerungswert. Dollarwerte müssen für die deutsche Erklärung nach einer belegten, konsistenten Methode in Euro umgerechnet werden.

Die zentrale Frage lautet, ob die Forderung durch den Plan oder die einzelne Auszahlung ganz oder teilweise veräußert, getauscht, zurückgezahlt oder lediglich erfüllt wird. Daraus ergibt sich, ob und wann ein Gewinn oder Verlust realisiert wird und welche Anschaffungskosten auf die erhaltenen Wirtschaftsgüter übergehen. Hierfür gibt es bislang keine speziell auf Celsius zugeschnittene BMF-Vereinfachungsregel.

Wer die erhaltenen BTC, ETH oder Ionic-Digital-Anteile später veräußert, hat einen weiteren steuerlichen Vorgang. Dessen Ergebnis darf erst berechnet werden, wenn Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten aus der ursprünglichen Planausschüttung feststehen. Ein pauschaler Nullansatz ist ebenso riskant wie ein vollständiger Neuansatz zum Marktwert bei gleichzeitigem Abzug der gesamten alten Basis.

Welche Verlustwege in Deutschland in Betracht kommen

1. Ausfall einer sonstigen Kapitalforderung nach § 20 EStG

Ist die Celsius-Position nach ihrem rechtlichen Gehalt eine sonstige Kapitalforderung im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer § 7 EStG, kann der endgültige Ausfall nach der BFH-Rechtsprechung einen Verlust nach § 20 Absatz 2 auslösen. Dafür muss objektiv feststehen, dass keine weiteren Zahlungen mehr erfolgen. Allein die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens genügt regelmäßig nicht; besondere Umstände können einen früheren endgültigen Ausfall belegen.

Bei Celsius werden weiterhin individuelle und teilweise spätere Planerlöse abgewickelt. Deshalb darf die noch offene Differenz nicht ohne Prüfung als endgültig ausgefallen gebucht werden. Verluste aus Kapitalvermögen sind nach § 20 Absatz 6 grundsätzlich nur innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen verrechenbar und werden vorgetragen; die alte besondere 20.000-Euro-Verrechnungsgrenze für Forderungsausfälle steht im aktuellen Gesetz nicht mehr.

2. Tausch oder Veräußerung eines anderen Wirtschaftsguts

Fällt die Forderung nicht unter § 20, kann eine planbedingte Übertragung oder Erfüllung als Veräußerung beziehungsweise Tausch eines anderen Wirtschaftsguts zu prüfen sein. Im Privatvermögen kommt § 23 EStG nur innerhalb seiner Voraussetzungen zur Anwendung. Die Jahresfrist, der Anschaffungszeitpunkt des maßgeblichen Wirtschaftsguts und die Frage, ob überhaupt ein entgeltlicher Realisationsvorgang vorliegt, dürfen nicht vom ursprünglichen Coin-Bestand ungeprüft auf die Insolvenzforderung übertragen werden.

3. Betriebliches Vermögen

Gehörten Lending, Coins und Forderung zu einem Gewerbebetrieb, gelten Bilanzierungs- oder Einnahmenüberschussgrundsätze statt der privaten Regeln. Wertberichtigung, Ausbuchung, Veräußerung und Sachleistungszugang können zu Betriebseinnahmen oder Betriebsausgaben führen. Häufiges Trading allein begründet nicht automatisch einen Gewerbebetrieb; die gesamte Tätigkeit ist zu würdigen.

4. Keine pauschale Betrugs- oder Totalverlustregel

Strafverfahren gegen Verantwortliche oder ein hoher wirtschaftlicher Verlust ersetzen keine deutsche Prüfung von Einkunftsart, Forderungscharakter und Realisationszeitpunkt. Derselbe wirtschaftliche Betrag darf nicht zugleich als §-20-Forderungsausfall, §-23-Veräußerungsverlust und Rückzahlung negativer §-22-Einnahmen angesetzt werden.

Warum die Haltedauer der ursprünglichen Coins nicht allein entscheidet

Der alte Text behauptete sinngemäß, Coins mit mehr als einem Jahr Haltedauer erzeugten grundsätzlich keinen Celsius-Verlust. Das ist zu grob. Zwar ist bei einem privaten Veräußerungsgeschäft nach § 23 die Jahresfrist entscheidend und ein außerhalb der Frist steuerfreier Gewinn geht spiegelbildlich nicht mit einem verrechenbaren §-23-Verlust einher. Bei Celsius muss aber zuerst bestimmt werden, welches Wirtschaftsgut ausgefallen oder erfüllt wurde.

Eine als Kapitalforderung einzuordnende Celsius-Position kann den Regeln des § 20 folgen; eine betriebliche Forderung folgt betrieblichen Regeln; ein anderes privates Wirtschaftsgut kann § 23 betreffen. Die ursprüngliche BTC-Haltedauer ist ein Beweisfeld, aber keine vollständige rechtliche Einordnung der späteren Insolvenzforderung.

Celsius-Unterlagen und Arbeitsschritte für die Steuererklärung

  1. Alte Celsius-CSV-Dateien, Kontoauszüge, Screenshots und E-Mails sichern.
  2. Einzahlungen anhand der sendenden Börsen und Wallets mit Euro-Basis und Datum rekonstruieren.
  3. Earn-Rewards nach tatsächlichem Zufluss und Verfügbarkeit trennen.
  4. Frühere deutsche Steuererklärungen und ausländische 1099-Unterlagen abgleichen.
  5. Earn, Custody, Withhold, Borrow und betriebliche Konten getrennt halten.
  6. Festgestellte Forderung, Planwahl und gerichtliche Unterlagen archivieren.
  7. Jede BTC-, ETH-, Geld- und Aktienausschüttung einzeln in Euro bewerten.
  8. Zweite und spätere Ausschüttungen in die offene Forderungsrechnung aufnehmen.
  9. Eine Überleitung von ursprünglicher Basis zu verteilter und verbleibender Basis erstellen.
  10. Die vertretene Einordnung nach § 20, § 22, § 23 oder Betriebsvermögen schriftlich begründen.

Ein CoinTaxReporting-Steuerreport kann Coin-Transaktionen, Euro-Kurse und Bestandsfortführung dokumentieren. Die rechtliche Qualifikation der Insolvenzforderung bleibt jedoch eine Einzelfallentscheidung. Ergänzend helfen der Lending-Leitfaden, der Beitrag zu Krypto-Verlusten und die deutsche Steuererklärungs-Anleitung.

Häufige Fragen zur Celsius-Insolvenzsteuer

Sind Celsius Earn-Rewards in Deutschland steuerpflichtig?

Private Lending-Erträge sind nach dem BMF regelmäßig nach § 22 Nummer § 3 EStG steuerbar und beim Zufluss zum Marktkurs zu bewerten. Die gemeinsame Freigrenze liegt bei weniger als 256 Euro im Kalenderjahr.

Kann ich die Differenz zum alten App-Bestand sofort absetzen?

Nein. App-Wert, Insolvenzforderung und steuerliche Basis sind verschieden. Zuerst müssen Forderungsart, Realisation, Rückflüsse und endgültiger Ausfall geklärt werden.

Wann ist eine Kapitalforderung endgültig ausgefallen?

Nach der BFH-Rechtsprechung muss feststehen, dass keine weiteren Rückzahlungen erfolgen. Besondere objektive Umstände können dies vor Verfahrensende belegen; eine bloße Teilquote reicht nicht automatisch.

Warum erhalte ich nur BTC, ETH, Geld oder Aktien?

Der US-Insolvenzplan legt die Verteilungsformen fest und berechnete Ansprüche in US-Dollar. Das ist nicht gleichbedeutend mit der Rückgabe der ursprünglich eingezahlten Coins.

Ist die Ionic-Digital-Aktie mit null Euro anzusetzen?

Nicht pauschal. Auch eine nicht liquide Beteiligung kann einen Wert haben. Planunterlagen, Bewertungsnachweise und die steuerliche Behandlung der Forderung bestimmen den Ansatz.

Entfällt ein Verlust bei ursprünglich länger als ein Jahr gehaltenen Coins?

Nicht allein deshalb. Die Haltedauer ist für § 23 wichtig, aber die Celsius-Position kann je nach Vertragsinhalt als Kapitalforderung, anderes Wirtschaftsgut oder Betriebsvermögen einzuordnen sein.

Stellt Celsius einen deutschen Steuerbeleg aus?

Nein. Die offizielle Verteilungs-FAQ erklärt, dass keine Buchhaltungs- oder Steuerdokumentation für Gläubiger bereitgestellt wird. Die Rekonstruktion liegt beim Steuerpflichtigen.

Amtliche und primäre Quellen

Quellenstand: 1. September 2026. Wegen der ausländischen Insolvenz, verschiedener Kontoklassen und möglicher Folgeausschüttungen sollte eine wesentliche Celsius-Position mit den Verträgen und Vorjahreserklärungen geprüft werden.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zur allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar. Für individuelle Steuerberatung wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.

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